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Der Waschlabben

Fußballpartys und andere Sommerfreuden

Unerwartete Freuden am Nationalteam - Straßenpartys ohne Ende - Neuer Nationalstolz - Staatsbürgerkunde - Eintracht Frankfurt lebt - BAP vor zwanzig Jahren auf der Loreley - Sachsen sind helle - Regionale PISA-Auswertung - Boomstadt Leipzig - Vincent ist da - Auf zum Sachsenring

Es sollte für Deutschland die ruhigste Fußball-WM aller Zeiten werden. Die unmöglichen Anstoßzeiten zur Arbeitszeit, keine Stimmung in Fernost und unsere zusammengewürfelte Truppe fliegt sowieso spätestens im Achtelfinale raus. Denkste, es wurde dank Rudi Völlers leitender Hand eine rauschende Party. Wäre hätte dies vor vier Wochen noch gedacht.

Die Euphorie steigerte sich von Spiel zu Spiel der Deutschen, dieser Teamgeist steckte an und natürlich der völlig unerwartete Erfolg. Man machte plötzlich krank oder Urlaub, in Firmen entstanden provisorische Fernsehstuben - was natürlich das Klima in deutschen Betrieben förderte. Und der Fußball erlebte sich als Gemeinschaftsevent. Weg vom heimischen Sessel, rein in die Kneipen und an die Bildwände. Wer privat zusah war megaout.

Manche Städte erfuhren ihre größten und obendrein unorganisierten Straßenfeste. So auch Wiesbaden, wo zum Finale 35000 gekommen waren, für diese Stadt sensationell. Und daß man trotz der unverdienten Niederlage danach stundenlang mit den brasilianischen Fans Autokorso fuhr, war einmalig. Natürlich genauso unvergessen der Empfang am Frankfurter Römer am nächsten Tag.

75000 Leute waren gekommen, so viel wie nie bei einem Empfang für deutsche Sportler, um ihre Helden zu feiern. Und man sang bei dieser Party ohne Ende alle Gassenhauer, aber am nachhaltigsten voller Innbrunst die deutsche Nationalhymne. Vor einigen Jahren noch undenkbar.

Ich sage ja zu solchem Nationalstolz über unsere Fußballer, einer Truppe zusammengewürfelt von einem Trainer den alle mögen. Zurückblickend möchte ich sagen: Nach zwölf Jahren lieben wir euch wieder und jeder ist stolz auf die deutsche Nationalmannschaft. Junge Leute, ein Kult-Trainer, der Leverkusenener Spielstil, keine Stars, keine Tussis als Spielerfrauen und einen Kapitän, welcher seinen kranken Bayern-Stil mal vergisst.

Trotz aller Begeisterung über unseren deutschen Erfolge bleibt eine Frage bei mir hängen - Wie sähe eine deutsche Nationalmannschaft ohne die Leipziger Ereignisse am 9.Oktober 1989 aus. Ohne die Gastfußballer aus der Schweiz, Polen oder Ghana, dazu kommt die halbe Mannschaft aus Thüringen und Sachsen - Berlin und MeckPomm machen den Kader. Aber wahrscheinlich haben die Ossis nur so gute Fußballe durch unsere üppigen Soli-Beiträge. Denn eigentlich sind sie doch mindestens schlimmer als...Möllemanns Zielgruppe. Hauptsache im Jubeln sind wir ein Volk.

Vielleicht hilft ja mal wieder der Fußball, endlich mal klar im Kopf über die Nation zu werden und dass es nach dreizehn Jahren überhaupt keine internen Schranken mehr geben sollte. Das Motto einiger Morgenspiele bei dieser WM fand ich schon gut - Wacht auf, wenn ihr Deutsche seit. Ich stand da immer auf. Um sieben.

Und dabei bin ich auf gar keinen Fall das Aushängeschild eines ordentlichen Staatsbürgers. Wer zieht schon nachts um zwei seine schwarze Bettwäsche auf und hört dabei Lieder von Reinhard Mey, trinkt Äppelwoi und raucht keinen Joint. Gegen den Strom und nie mit den Wölfen heulen. Ich fahre Fahrrad, koche, backe selbst und halte mir keine (Putz)Frau aus einem wirtschaftlich mäßig entwickelten Land dieser Welt. An meiner Wand hängt ein Fahne Israels und trotzdem bin ich ein stolzer Deutscher, nicht nur wegen dem Fußball oder gerade deswegen.

Dieser Tage jährte sich ein wichtiger Tag, 10. Juni 1982, zwanzig Jahre her als hundertausende Leute gegen die Atomrüstung in Bonn demonstrierten. BAP machte den Titel "10.Juni", noch heut gespielt auf allen Konzerten (wie auch bei dem legendären Rockpalast am 22.August 1982 auf der Loreley), ich damals eingesperrt bei der NVA und noch heute die Textzeile: "Spannt mich ja nicht für euch ein" ein Lebensmotto... .

Zum Fußball muß ich an dieser Stelle natürlich Eintracht Frankfurt erwähnen. Man entzog der Mannschaft, welche die höchsten finanziellen Auflagen in der Profigeschichte hatte, völlig unberechtigt die Lizenz und mußte sie vierzehn Tage später zurückerteilen. Die Verantwortlichen der Eintracht haben gekämpft wie die Löwen, hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so. Die Chance mit einer hungrigen Mannschaft ohne überbezahlte Spieler ist gegeben - man sollte sie nutzen, die Region braucht Eintracht Frankfurt.

Eine Farce was aus Unterhaching und Mainz über dieses Urteil tönt. Die Einen wollen als sportlicher Absteiger weiter oben mitspielen (wo gibt es so was...?) und die Fastnachtskicker, zu blöd zum Aufsteigen, haben wahrscheinlich noch lange nicht ihr Trauma vom 05.05.02 verarbeitet. Nix mit Nummer eins in Rhein-Main, die werden froh sein, wenn am Ende der neuen Saison der Klassenerhalt geschafft ist. Mit ihren 5000 Kaspern im Bruchbudenstadion. Neid ist ein schlechter Ratgeber.

Abschließend noch paar Worte zu regionalen PISA-Studienauswertung. Grüß Gott, ihr besser wissenden, da besser mit Knete vom Pappi geförderten Kiddis aus Bayern, hier schreibt ein Exil- Sachse und die haben auf Garantie mehr in der Rübe als ihr katholisch versauten Randdeutschen. Wir sind halt das hellste Volk in D, auch ohne viel Geld und das zusätzliche Jahr Schauspielunterricht zum Abi. Die private finanzielle Unterstützung durch Angehörige eines bayrischen Abiturienten beträgt übrigens das vierzigfache zum Kommilitonen in Sachsen !! Da wird Pseudo-Wissen schlimm erkauft.

Mit tut es heute schon weh, denk ich daran wie dieser blasse Kandidat aus BY die regionalen Auswertungen für seinen Wahlkampf ausnutzen wird. Gefährlich bleibt da nur die nachgewiesene Helligkeit der sächsischen Nachkommen. Ob da die absolute CDU-Präsenz in Dresden beiträgt. Absolut falscher Denkansatz, es liegt dort einfach im Blut.

Sächsische Intelligenz hat sich einfach auch durch 56’jährige Diktatur und anschließende Kohl-Zeit nicht unterdrücken lassen. Woher kommen die meisten deutschen Nobelpreisträger, woher die Autos, woher die Ingenieurtechnik, alles was Deutschland vor achtzig Jahren mal an diese Nummer eins in Europa fließen ließ. Und nicht zuletzt fand die einzigste, erfolgreiche und weltverändernde Revolution des 20. Jahrhunderts in Sachsen, in Leipzig seinen Anfang.

Die Boomstadt Leipzig ist heute ein Aushängeschild für Deutschland in der Welt. Der gemeine und degenerierte westdeutsche satte Bessergeglaubtwisser denkt da an seine Steuer und Soligelder und antwortet voller Überzeugung in einer Quizsendung, er wäre persönlich allein für diesen Fortschritt zuständig und natürlich hat es die DDR schon zu Zeiten Christophs Kolumbus gegeben hat. Jetzt wird alles besser und ohne mich baut sich das nie auf... .

Gern möchte ich an dieser Stelle Vincent unter uns begrüßen. Er schaute am 16.Juni 2002 zum ersten mal auf Wiesbaden. Ich freue mich besonders für seine sächsische Mutti Pia, seine Schwester Felicitas, den Laertes und Alex. Und ich werde mich nun paar Wochen auf Weltreise begeben, ein Höhepunkt wird bestimmt der MotorradGP am Wochenende 21.Juli 2002 auf dem Sachsenring. Natürlich wird chlab.net auf seiner Homepage in Text und Bild ausführlich berichten. Dann vielleicht von einem Jenkner, Waldmann oder mindestens Valentino-Triumph.

Einen schönen Sommer noch - Euer

Thomas

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